Mittwoch, 31. August 2016

Ein besonderes Geburtsdatum


Unser kleiner Mann ist endlich da. Er kam am 16.8.16 (tolles Datum, oder?) zur Welt und bereichert von nun an unser Familienleben zu fünft. Weil es so schön ist, habe ich beschlossen was ganz intimes mit euch zu teilen... meinen Geburtsbericht. 

In der Nacht zum 15.8. hatte ich beschlossen, dass ich morgens ins KH fahre um mal schauen zu lassen, ob sich endlich was getan hat am Muttermund. Denn, ich war nervlich und körperlich total fertig. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich 42 Stunden durchgehend Vorwehen hinter mir, die schon ziemlich schmerzhaft waren, regelmäßig unregelmäßig zwischen 5-15 Minuten kamen und ich teilweise etwas veratmen musste. An Schlaf war kaum zu denken bzw. wurde ich immer wieder von einer Vorwehe geweckt. Gleichzeitig wusste ich aber, dass es nur Vorwehen sind (nach 2 Geburten hat man dann schon doch ein Gefühl für) und die eigentlich nichts bewirken am Muttermund. So brachte mich jede weitere Vorwehe an den Rand der Verzweiflung, da man ja weiß, dass sie nichts bringen, aber diese nervigen Vorwehen dennoch da sind. 

Am Morgen wurde es doch ruhiger im Bauch und die Vorwehen ließen tatsächlich nach, endlich.... halleluja. Endlich Ruhe. So richtig wäre dieser Tag eh nicht passend gewesen, denn der große Bruder hat an dem Tag Geburtstag. So war es letztlich auch. Am Nachmittag konnten wir die Kinder aus der Kita holen und den Geburtstag ruhig im kleinen Familienkreis draußen, bei sehr schönem Wetter, feiern. Meine Motivation stieg auch etwas, denn so eine "Ruhe vor dem Sturm" kannte ich von der Tochter bereits. Da ging es dann am nächsten Morgen sofort los. Also genoss ich etwas den Tag. Bemerkte auch die wiederkehrenden Vorwehen am Abend, die aber nur einmal pro Stunde kamen. Es ließ mich tatsächlich hoffen. In der Nacht wurden sie etwas mehr, wieder etwas schmerzhafter. Halbwegs schlafen konnte ich dennoch. Wenn auch mehr schlecht als recht.   

Was soll ich sagen. Auch am Morgen waren da keine Geburtswehen. Zum Haare raufen. Und dann die regelmäßigen Anrufe wie "Wie geht's dir?". Da will aber keiner hören, dass es einem verdammt sch*** geht. Das Becken so unheimlich schmerzt, weil es fürchterlich instabil ist und nichts hilft. Kann auch keiner Nachvollziehen. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und war nur am heulen. Wegen EINEM kurzen Telefonat. Grauenhaft. Die Vorwehen waren da, aber eben keine Geburtswehen. Meine Gedanken waren nur, dass sich das noch ewig hinziehen wird. 

Weil es relativ ruhig war, beschloss mein Mann, auf die Haus-Baustelle zu fahren. Ich verbrachte den Vormittag auf der Couch. Kurz vor der Mittagszeit telefonierte ich mit dem Mann, wegen dem Mittag. Irgendetwas muss man ja kochen. Keine 10 Minuten später (11:53 Uhr) bemerke ich eine Vorwehe und stehe von der Couch auf, damit sie erträglicher ist. Aber DAS ist keine Vorwehe. Sie ist völlig unerwartet so stark, dass ich mich auf dem Sessel abstützen und veratmen muss. Wow. Mein erster Gedanke ist, dass ich noch schnell die Wäsche abnehmen muss. Bei der Sonneneinstrahlung kann die nicht ewig draußen hängen. Als die Wehe vorbei ist, eile ich auf den Balkon und nehme ganz schnell die Wäsche ab und werfe sie förmlich in den Wäschekorb. Für zusammenlegen (was ich sonst gleich beim Abnehmen tue) bleibt keine Zeit. Ich schaue auf die Uhr und warte auf die nächste Wehe. Während dessen laufe ich durch die Wohnung hin und her. Irgendwie fühlt es sich an wie ein Dauerschmerz. Nach 12 Minuten kommt die nächste Wehe. Ich rufe meinen Mann an und sage ihm, dass er doch bitte sofort nach Hause kommen möge (er dachte in dem Moment nicht daran, dass es los geht). Ich laufe weiter hin und her und packe die letzten wichtigen Sachen für die Kliniktasche. Die Tasche ist nur eine Wickeltasche, denn ich habe vor wieder ambulant zu entbinden. Der Mann kommt und ich stehe im Flur und sage nur, er solle sich sofort umziehen. Jetzt ist er nervös und ich muss etwas lachen. Nach den Erfahrungen der letzten Geburt, machen wir uns tatsächlich schon nach der zweiten Geburtswehe schon los. Wir wollen rechtzeitig im KH sein. Die dritte Wehe habe ich im Hausflur. 

Wir können gegen viertel 1 los fahren. Auf dem Weg ins KH haben wir mal wieder Glück *Ironie*. Ein Fahrschulauto fährt vor uns. Es wirkt wie eine der ersten Fahrstunden. Na, dankeschön. Ich beruhige meinen Mann, dass er keinen Stress machen muss, da die Wehen noch relativ weit auseinander sind. Während der 25 minütigen Fahrt verkürzen sich die Wehen aber letztendlich auf etwa 5 Minuten. Am KH angekommen finden wir natürlich keinen Parkplatz in direkter Nähe und müssen 400 m weiter weg parken. Ja, auch diese Strecke kann verdammt lang sein. Vor allem wenn einem auffällt, dass man ganz ganz ganz dringend pullern muss. Oh Gott, ich dachte echt, dass ich es nicht mehr bis zu einer KH-Toilette schaffe. Unter Wehen laufen und dann noch Harndrang verkneifen... keine gute Kombination. Am Eingang sah ich noch eine werdende Mama, bei der man mitbekam, dass sie heute noch eingeleitet wird und ich dachte nur: "Viel Spaß, ich geh dann mal gebären." Im Fahrstuhl wieder eine Hochschwangere mit Mann, die auch zum Kreißsaal wollten und auch dort erwartet wurden. Die waren aber nicht im Wehenmodus, sondern wohl eher Geburtsanmeldung oder -vorbereitung. Schon komisch, wenn die Hebamme die Tür öffnet und dieses Paar erwartet und man dann da steht. "Und was wollen Sie?" "Ich habe Wehen." "Na, dann kommen Sie rein." Auf der Kreißsaalstation war es total voll, dass ich mich erstmal in den Eingangsbereich setzen musste, wo auch die Spinde stehen. 

Nachdem die Hebamme den Kreißsaal vorbereitet hatte, kam sie wieder. Ich veratmete bereits die nächste Wehe. Sie fragte nach, die wievielte Geburt es sei, ob alle schnell kamen. Im Kreißsaalzimmer angekommen, wurde das CTG angelegt und ich musste 10 Minuten liegen. Schrecklich. Ich wollte nicht liegen. Nach 10 Minuten fragten wir nach, ob ich nicht wieder aufstehen konnte. Zum Glück durfte ich und so veratmete ich die Wehen im Stehen weiter. Bemerkte auch, dass sie mittlerweile weniger als 5 Minuten waren. Eher so 2-3 Minuten. Wir waren weiterhin allein im Zimmer. Nach etwa einer halben Stunde wurde mein Veratmen so laut, dass doch mal eine Hebamme nach uns schaute. Es war gerade Schichtübergabe. Sie versicherte sich bei mir, ob sie die Übergabe noch beenden könnte. Ich sei ja schon geübt :-D Sie kam dann, nachdem ich meinem Mann sagte, er solle sie holen, da ich einen Druck nach unten spürte. Dann schaute sie nach meinem Muttermund und meinte, es würde nicht mehr lange dauern. 

Ich bemerkte immer wieder, dass es Wehen gab, die nicht so stark waren. Das fiel der Hebamme auch auf und wir beschlossen, dass ich einen Wehentropf zur Unterstützung bekomme, nachdem wir es erst mit Globulis probierten. Einen Wehentropf um die Wehen zu unterstützen, hatte ich schon beim Großen gehabt. Sie erklärte mir, dass die vorangegangene Geburt noch nicht sooo lange her wäre und es auch oft so ist, wenn der Muttermund sich schnell öffnet, dem Körper die Kraft fehlt für den Rest. Mit dem Wehentropf wurden die Wehen rasch stärker. Unter den Wehen lag ich seitlich und mein Mann hielt ein Bein nach oben damit der Kopf Platz hatte weiter runter zu rutschen. Er war ganz stolz, dass er dieses Mal aktiv an der Geburt teilnehmen konnte. Sonst darf er nur zusehen, weil ich Händchen halten unter der Geburt hasse. Am besten gar keine Berührungen. Die Fruchtblase wollte übrigens einfach nicht platzen, sodass die Hebamme sie letztlich doch aufstach und erst mal, trotz Vorkehrungen ihrerseits, schön nass gemacht wurde, weil das Fruchtwasser förmlich raus schoss.

Es folgten die Presswehen. Die erste noch nicht so starke Presswehe musste ich noch weghecheln. Die nächste Presswehe hatte es in sich. Sie war extrem lang, hörte einfach nicht auf. Ich durfte mitpressen. Alles andere wäre auch nicht möglich gewesen. Unter dieser Wehe dachte ich noch, dass ich so einen Schmerz nicht noch weitere Wehen aushalten würde und dann spürte ich schon, dass der Kopf draußen war. Die Wehe war aber irgendwie immer noch nicht zu Ende. Ich sollte mich auf den Rücken drehen (unter einer Wehe und mit völlig instabilem Becken nicht so wirklich durchführbar), damit sich der restliche Körper des Kleinen zurecht drehen konnte und dann war er schon da. Um 14:27 Uhr. Meine Beinen zitterten extrem. Mein erster Satz war: "Was war denn das?". Bezogen auf diese krasse Presswehe. Er wurde mir auf den Bauch gelegt. Danach musste ich noch genäht werden. Am Ende der ersten halben Stunde Kuscheltzeit versuchte ich ihn anzulegen. Dieses Mal musste es klappen. Meine Kinder sind doch so untalentiert beim Stillen. Ich wollte unbedingt mal nicht die ersten Wochen abpumpen müssen. Wie es mit dem Stillen klappt, erzähle ich euch bald.

Gegen fünf wurden wir auf Station gebracht und im Zimmer traf ich auf die Schwangere, die ich bei der Klinikankunft am Haupteingang sah. Bei einem Gespräch erzählte sie, dass sie völlig überrascht war, mich schon wieder zu sehen... MIT Baby. Weil ich doch quasi erst rein gegangen war. 

Da bei uns alles gesund und munter war, durften wir das KH gegen 9 Uhr am Abend gemeinsam verlassen. Eine ambulante Geburt ist so schön. 

Es grüßt euch,

eure Ms. Eni

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